Nach dem großen Erfolg des ersten Literaturseminares zum Thema Chormusik von Robert Schumann mit den Referenten Prof. Martin Ullrich und Prof. Michael Gläser gab es am Samstag, 29.10. ab 10.00 Uhr im kleinen Saal der Hochschule für Musik und Theater München eine Neuauflage.
Chormusik der Renaissance mit Florian Helgath und Alfons Brandl
Diesmal drehte sich alles um die Chormusik der Renaissance. Nach einem einführenden Vortrag in die Zeitgeschichte und die Gattungen der Renaissancemusik durch den Musikausschuss-Vorsitzenden Prof. Alfons Brandl ging Florian Helgath mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und dem via-nova-Chor als „Ansingechor“ anhand verschiedener Werke der Renaissance auf stilkundliche, aufführungspraktische und stimmliche Phänomene dieser Musik ein und erarbeitete diese praktisch.
Gerhard van Honthorst, Musizierende Gesellschaft, Bild: privat
Ein Seminarbericht von Dr. Eckhard Meißner:
Als ich die Ankündigung eines Seminars zur Aufführungspraxis für Renaissancemusik, geleitet von Florian Helgath - Chorleiter des Via-nova-Chors (Spezialist für zeitgenössische Musik), des Don-Camillo-Chors (Pop-Jazz) und des dänischen Rundfunkchors - sah, war meine erste Reaktion: „Das kann nur ein Scherz sein!“ Dass Florian Helgath aber auch auf dem Gebiet der alten Musik als Experte gelten darf, beweist das auf hohem Niveau gehaltene Seminar. Die 27 Teilnehmer – verstärkt durch einige Mitglieder des Via-nova-Chors – sangen unter Helgaths Anleitung eine Auswahl von Werken von namhaften Komponisten aus den verschiedenen Phasen der Renaissance; der Bogen reichte vom „Faux Bordun“ der frühen Jahre bis zu den hochpolyphonen und am Text komponierten (imitare le parole) Werken der Übergangszeit zum Barock. Dabei wurden beispielhaft die wesentlichen Gesichtspunkte für eine historische Aufführungspraxis von Renaissance-Musik erklärt und eingeübt: So weiß man nun um den lebendigen Effekt „inegaler Achtel“ und dass es neben dynamischen Akzenten auch einen „Verzögerungsakzent“ gibt. Durch seine natürliche und lockere Probenarbeit vermittelte Florian Helgath, dass Gesang immer lebendige Bewegung bedeutet und ließ zu keiner Minute Langeweile aufkommen.
Dem praktischen Teil vorangestellt war ein Vortrag von Prof. Alfons Brandl, der einen zusammenfassenden Überblick über das Zeitalter der Renaissance gab und Zusammenhänge von politischen, gesellschaftlichen Strömungen und Entwicklungen in den bildenden Künsten mit der Weiterentwicklung der Musik in dieser Periode aufzeigte. Anhand von Hörbeispielen wurden die wichtigsten Errungenschaften der Renaissance verdeutlicht.
Als das Seminar pünktlich um 17 Uhr zu Ende ging, waren nur hochzufriedene Gesichter zu sehen. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an die Dozenten und der Wunsch, noch viele weitere Seminare der Reihe „Aufführungspraxis von ...“ erleben zu dürfen.
Zu den Dozenten:
Florian Helgath (Weblink)
Prof. Alfons Brandl (Weblink)
Ort:
Kleiner Konzertsaal in der Hochschule für Musik und Theater München, Arcisstraße 12, 80333 München
(siehe auch Raumplan der Hochschule)
Anfahrt:
U2: Haltestelle Königsplatz
Tram 27: Haltestelle Karolinenplatz
Erstellt am 03.08.2011
Letzte Aktualisierung am 10.11.2011